Die Freiheit des Fluxus: Das Festival der jungen Talente gastiert im Hafen Offenbach

„What Happens in Offenbach stays in Offenbach“: Zum 7. Mal richtet der Verein für Kunstförderung Rhein-Main das Festival junger Talente aus, das jungen Künstler aus unterschiedlichen Disziplinen eine Plattform gibt und im Wechsel in Frankfurt und in Offenbach stattfindet. Zum zweiten Mal mit der ordnenden Hand einer Kuratorin. In diesem Jahr wurde die Niederländerin Roos Gortzak eingeladen, die bereits in New York, Amsterdam, Basel und Karlsruhe aktiv war. Bevor sie ab Oktober die Leitung des SBKM im Niederländischen Middelburg übernimmt, hat sie seit Mai die Ausstellung in Offenbach konzipiert und in der Kürze der Zeit Studenten von sechs unterschiedlichen Hochschulen (Hochschule für Gestaltung HfG, Städelschule Hochschule für Musik und Darstellende Kunst HfMDK, Goethe-Universität und Justus Liebig Universität in Gießen) zusammengebracht. „Ich interessiere mich mehr für den Prozess und den Moment des Entstehens“, sagt Gortzak über ihre Arbeit. Sie bat 12 befreundete Künstler um „Instructions“ für ihre Seminarklassen, 8 kamen ihrer Bitte nach. Diese Instructions lieferten die Grundlage für vier Seminare mit 60 Studierenden, die Gortzak aus 90 Bewerbungen eingeladen hatte. „Das war eine tolle Chance zum Dialog“, findet die Frankfurter Künstlerin Adrian Williams, die einen der Workshops leitete, „der Austausch war der wertvollste Teil des Projektes“.

Denn spätestens seit dem zweiten Seminar hatten sich die Instructions der Künstler verselbstständig und so ist am Wochenende auch keine Arbeit zu sehen, die beispielsweise „Conversation of sleeves“ oder „Do something based on never say never“ 1:1 umsetzt. „What Happens in Offenbach stays in Offenbach“ versammelt unterschiedliche Interpretationen und Weiterentwicklungen, „die auf der Hafeninsel ideal verortet sind“, findet Galeristin Heike Strelow vom Verein für Kunstförderung Rhein-Main. Und viel Unterstützung erfahren haben. Nicht nur seitens der zahlreichen Förderer und Sponsoren, sondern auch mit viel Engagement: unzählige Gespräche habe sie geführt, berichtet Lisa Hopf, die an der HfG bei Heiner Blum experimentelle Raumkonzepte studiert, bevor sie ein Pianino in die Tiefgarage eines der Neubauten an der Hafenmole einmauern konnte. „Der Architekt war grundsätzlich offen für die Idee, aber es war nicht einfach“. Jetzt allerdings sei aus „einem Nichtort ein Monument geworden“, so Gortzak, der zudem an die Idee des Bauopfers anknüpfe.

Die Bautätigkeit im Rhein-Main-Gebiet stand auch bei den Städelschülerinnen Letizia Calori und Violette Maillard Pate: sie haben zur Musik Igor Strawinskys „L´oiseau de feu“ eine Choreographie für Baukräne geschaffen und machen die Baustelle zur Bühne. Mit Modellbauten vermittelten beide den Bauarbeitern Balettbegriffe wie en face, soutenu und pliés und den erforderlichen Grad des Kranschwenkens. Der erste Teil, ein Kranen pas de deux ist als Videoarbeit in der Ölhalle zu sehen, der zweite Teil wird am Samstag um 14.00 Uhr am Maintower in Frankfurt mit sieben Kränen aufgeführt.

Das Festival der jungen Talente „What Happens in Offenbach stays in Offenbach“ ist am Freitag, 19. September von 19.00 bis 24.00 Uhr und am Samstag und Sonntag, 20. und 21. September, jeweils von 13.00 bis 24.00 Uhr zu sehen.

Der Titel der Ausstellung geht übrigens auf die Arbeit „What Happens in Halifax stays in Halifax“ von Mario Garcia Torres zurück: (…) „Vielleicht werden sie sich eines Tages der längst vergessenen Ideen entsinnen. Wenn ja, eröffnet das sicher den Weg für eine ganz neue Geschichte. Die, nach der ich eigentlich gesucht habe“.

BU: Kuratorin Roos Gotzak mit einigen jungen Talenten, die am Wochenende ihre Ideen präsentieren –„The Future of Offenbach“: HfG-Studentin Marina Kampka ist Wassily Kandinsky in den S-Bahn Stationen begegnet.

(hlwa)

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