Integration: Aufeinander zugehen für ein gemeinsames Offenbach

Offenbach ist die Stadt in Deutschland mit dem höchsten Migrantenanteil, aber auch mit dem entspanntesten Umgang mit kultureller Vielfalt. 63 Prozent von uns Offenbachern haben einen sogenannten Migrationshintergrund. Im Bund sind es dagegen 21 Prozent und in Hessen 28 Prozent. Die Leute kommen aus 159 verschiedenen Nationen. Die allermeisten Offenbacher sind sich einig, dass wir damit schon ganz gut umgehen können. Unsere kulturelle Vielfalt mit ihren Einwohnern und Einwohnerinnen aus so vielen Nationen, Kulturen und Religionen ist eine Herausforderung, der wir uns stellen.

Wir PIRATEN haben uns von Anfang an als internationale Partei gegründet, die Grenzen überwinden und die Gemeinsamkeit aller fördern will. Es gibt bei uns in Offenbach keine größeren Gewaltausbrüche, die überwältigende Mehrheit der Offenbacher fühlt sich zugehörig. Wir haben alle gleiche Rechte und Pflichten, unabhängig von Kultur, Religion und Herkunft! Wir sind für ein kommunales Wahlrecht für alle, und weil es das noch nicht gibt, nehmen wir wenigstens sowohl an der Kommunal- als auch an der Ausländerbeiratswahl teil. Wir wollen die Bedeutung des Ausländerbeirats stärken und werden unsere gewählten ALB-Vertreterinnen und -Vertreter unterstützen.

Integration ist daher für uns ein wichtiges Zukunftsthema für unsere Stadt, mit dem wir uns befassen wollen, wenn wir gewählt werden.

Gemeinsamkeit mit Respekt und Toleranz

Aber was ist Integration? Es ist schon mal der Respekt vor anderen Kulturen und ihre freundliche Toleranz, aber es ist noch viel mehr als das! Integration muss von allen gelebt werden, von Zuwanderern und von der Mehrheitsgesellschaft, egal wo die Leute ursprünglich herkommen. Wir wollen auch individuelle Freundschaften schließen. Wir leben und arbeiten zusammen, unsere Kinder gehen zusammen in die Schule und werden später auch miteinander zu tun haben. Integration heißt, sich anzufreunden, über kulturelle Grenzen hinweg. In Offenbach passiert das auch schon und das ist das Tolle an unserer Stadt. Wir sollten uns zuallererst als Offenbacher fühlen.

Integration ist jedoch noch mehr! Es ist eine gemeinsame Identität als Offenbacher, und es ist die gemeinsame Sprache und gemeinsame Werte, die wir zusammen leben. Einige dieser Werte sind nicht verhandelbar, dazu gehört auch die Gleichberechtigung aller Frauen und Männer. Es gibt patriarchalische Familien, in denen die Frauen ihre Rechte nicht kennen und nicht wahrnehmen können und in denen sie auch davon abgehalten werden. 

Schritte zum gemeinsamen Verständnis wagen

Als Beispiel möchte ich eine kleine Geschichte erzählen: Vor einigen Jahren gab es noch keine Vorschule für Kinder, die kein Deutsch konnten. Damals saßen in einer 1. Klasse einer Offenbacher Grundschule zwei kleine Jungs nebeneinander und konnten sich gut leiden, beide waren in Offenbach geboren. Der eine, Paul, sprach gut Deutsch, der andere, Ahmed, leider überhaupt nicht, denn er hatte keinen Kindergarten besucht.

Auch Ahmeds Mutter konnte kein Deutsch, obwohl sie schon 7 Jahre in Offenbach lebte. Pauls Mutter versuchte, mit Ahmeds Mutter zu telefonieren, aber leider funktionierte das nicht. Sie wurde immer auf den Abend vertröstet, wenn der Opa zu Hause war, der sehr gut Deutsch konnte und der schon vor Jahrzehnten nach Offenbach gekommen war. Nur dieser Opa telefonierte für die Schwiegertochter. Er hatte seinen Söhnen Bräute aus der Türkei ausgesucht und nach Offenbach geholt, und er hatte verhindert, dass sie Deutsch- und Integrationskurse besuchten oder dass die Enkel in den Kindergarten gingen. Paul wollte den Ahmed gerne zu seinem Geburtstag und zu anderen Kindertreffen einladen. Aber das hat nie geklappt. Immer rief vorher der Opa an und sagte ab, mit irgendwelchen Ausreden. Heute wäre Ahmed erst mal in die Vorschule gekommen. Noch besser wäre es besser gewesen, er wäre mit drei Jahren in den Kindergarten gekommen und seine Mutter hätte Deutsch gelernt.

Integration funktioniert nur, wenn alle aufeinander zugehen und sich um gemeinsame Werte bemühen. Dazu gehört es, Deutsch zu lernen, aber auch die Wertschätzung für gemeinsame Werte. Ein solcher Wert ist die Gleichberechtigung aller Menschen. Einwanderinnen haben Rechte, sie müssen z. B. Sprachkurse besuchen können, Angebote zu Aus- und Fortbildungen wahrnehmen und selbst über ihr Leben bestimmen können. Es kann nicht sein, dass sie von Kontakten zu Mitbürgern aus anderen Kulturen abgehalten werden. Für uns Offenbacher ist es nicht akzeptabel, dass für Kontakte die Erlaubnis eines Familienpatriarchen nötig ist. Auf der anderen Seite sollten die deutschsprachigen Mitbürger und Mitbürgerinnen neugierig sein und Freundschaften suchen, wo immer sie sich ergeben können. 

Integration ist Bestandteil der Kommunalpolitik

Für uns PIRATEN ist weitere Integration ein vorrangiges Ziel in der Offenbacher Kommunalpolitik. Eine der wichtigsten Aufgaben ist der Spracherwerb. Das fängt schon im Kindergarten an. Drei Kindergartenjahre reichen, um ein Kind auf ein gutes Sprachniveau zu bringen, auch wenn es in den ersten drei Lebensjahren nur seine Muttersprache gelernt hat. Der Schulerfolg hängt entscheidend von den Kenntnissen der deutschen Sprache ab. Hier sind alle gefragt: die Migranten, die ihre Kinder in den Kindergarten schicken sollen und alle Offenbacher, die gut Deutsch sprechen und sich um Freundschaft und Integration kümmern und ihre Mitbürger beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen.

Wir PIRATEN wollen deshalb das Interesse an Sprach- und Integrationskursen fördern und Bürger und Bürgerinnen über ihre Rechte aufklären. Angebote, die es schon gibt, werden wir bekannter machen und für ihre Teilnahme werben. Wir treten dafür ein, dass Hemmschwellen gesenkt werden und fordern die Wertschätzung für Bildung von Allen. 

Unsere Spitzenkandidatin für den Ausländerbeirat, Yakeline Cadena-Perez, engagiert sich ehrenamtlich für die Stärkung der Rechte von Migrantinnen und Migranten, insbesondere aus patriarchalischen Gesellschaften. Sie möchte alle inspirieren, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln  – und dies ohne kulturelle oder religiöse Barrieren. In diesem Video erläutert sie ihre Vorstellungen.

Auf dem zweiten Platz unserer Liste für den ALB kandidiert Magda Cichy, Sie unterrichtet seit 20 Jahren Deutsch als Fremdsprache in Offenbach und hält gute Sprachkenntnisse und Integrationskurse für unabdingbar für eine erfolgreiche Integration. Im ALB will sie sich für Bedingungen einsetzen, die allen Migranten und Migrantinnen Zugänge ermöglichen und zur Teilnahme motivieren. In diesem Beitrag beschreibt sie ihre Vorstellungen.

Das Verbundenheitsgefühl aller Offenbacher muss gestärkt werden. Aus diesem Grunde werben wir für Freundschaften über alle Kulturen hinweg. Wir wollen uns auch für eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stadtverordnetenversammlung und dem Ausländerbeirat einsetzen, um die politische Teilhabe ausländischer Menschen zu stärken.

Arbeitsbedingungen von Arbeitsmigranten verhindern Integration

von Magda Cichy

Magda Cichy ist Offenbacherin, stammt aus Polen und unterrichtet seit 20 Jahren Deutsch als Fremdsprache in Offenbach. Sie wird auf unserer Liste für die Ausländerbeiratswahlen am 14. März 2021 kandidieren. Den Spracherwerb hält sie für die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration. In diesem Beitrag erläutert sie Schwierigkeiten, die sehr viele Arbeitsmigranten haben und die vielen Offenbachern und Offenbacherinnen gar nicht bewusst sind.

58,5 der Offenbacher Nichtdeutschen sind EU- Ausländer, 7,5 % kommen aus Polen Die meisten von ihnen sind in den letzten Jahren aus ökonomischen Gründen nach Deutschland gekommen. [Statistik der Stadt Offenbach] Laut Gesetz dürfen sich in Deutschland nur die EU-Ausländer dauerhaft aufhalten, die einer beruflichen Tätigkeit  nachgehen, bzw. ihre Familienmitglieder (Familienzusammenführung).

Die Männer arbeiten meistens in der Baubranche, als LKW- Fahrer  oder als Möbelschlepper, die Frauen sind überwiegend in Pflegeberufen oder als Reinigungskräfte beschäftigt. Angeworben werden sie oft in Polen über Facebook. Die anwerbenden Firmen werden oft ebenfalls von Polen geleitet oder haben polnische Vorarbeiter, die als Dolmetscher fungieren. Oft stellt der Arbeitgeber eine Unterkunft zur Verfügung. Es handelt sich um Sammelunterkünfte, in denen 2-3 Personen in einem Zimmer untergebracht werden. Dafür werden 250 bis 300 € vom Gehalt abgezogen. Die meisten dieser Arbeitsmigranten beherrschen weder Deutsch, noch haben sie irgendwelche Kenntnisse des deutschen Arbeitsrechts. Dies wird auf eine schamlose Weise von den Arbeitgebern ausgenutzt. Überstunden werden oft nicht bezahlt, Lohnabrechnungen sind nicht korrekt usw. Bezahlt wird meistens der Mindestlohn. Oft werden die Arbeitsverträge in den Heimatländer abgeschlossen, die Mitarbeiter werden dann für drei Monate nach Deutschland geschickt, was als Dienstreise bezeichnet wird. Auf diese Weise werden die Sozialabgaben in Deutschland umgegangen.

Leider haben diese Personen keine Chance, ihre Situation zu verbessern, denn dazu müssten sie Sprachkenntnisse erwerben. Da die meisten von morgens bis abends arbeiten, oft in Schichtarbeit, haben sie keine Möglichkeit einen Deutschkurs zu besuchen. Theoretisch steht ihnen ein vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilfinanzierter Integrationskurs zu. Kosten: 400,00 € pro 100 Unterrichtseinheiten, Dauer: 600 Unterrichtseinheiten.

Praktisch ist der Besuch eines Integrationskurses jedoch nicht möglich. Zum einen erlaubt es ihnen die Arbeitssituation nicht, zum anderen werden Teilzeitkurse am Abend oder an den Wochenenden von den Bildungsträgern nicht angeboten. Die hohe Abbruchquote aufgrund der prekären Arbeits- und Lebensbelastungen sowie finanziellen Gründe machen solche Kurse für die Träger unattraktiv. Hinzu kommt ein hoher bürokratischer Aufwand, der genauso hoch ist wie bei Vollzeitkursen.

Viele Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter beim Deutschlernen nicht, denn es ist für sie unerwünscht, dass diese mündiger werden. Eine Freistellung von der Arbeit für einen Deutschkurs, z. B. an zwei Nachmittagen, kommt für die Arbeitgeber in der Regel nicht infrage. 

Da es sich oft um qualifizierte Personen handelt, deren Berufsausbildungen hier nicht anerkannt werden, wenn sie nicht mindestens über Deutschkenntnisse auf dem B1-Niveau verfügen, geht somit viel Potenzial dabei verloren. So arbeiten viele ausgebildete Krankenschwestern in Pflegediensten als Pflegehelferinnen, weil Ihre Ausbildung nicht anerkannt wird. Sie benötigen für ihre Anerkennung B1-Deutschkenntnisse mit Pflegewortschatz.. Meistens umfasst die Arbeit 12-Stunden-Wechelschichten (07:00 bis 19:00 Uhr oder 19:00 bis 07:00 Uhr). Da kommen ausserdem weder Vormittags- noch Nachmittagskurse infrage.

Auch in der Branche gibt es keine Chance auf Unterstützung durch die Arbeitgeber. So arbeiten in Deutschland viele ausgebildete Kräfte weit unter ihren Möglichkeiten in prekären Verhältnissen und bezahlen Steuern, von denen teilweise Deutschkurse finanziert werden für Personen, die nicht berufstätig sind.

Da ich selbst aus Polen komme und meinen Landsleuten oft beratend zur Seite stehe, ist mir ihre Situation bekannt. Es betrifft jedoch gleichermaßen Mitbürgerinnen aus Rumänien, Kroatien, Bulgarien, Griechenland und Serbien. Wenn man jedoch bedenkt, wie viele Menschen aus den oben genannten Ländern in Offenbach leben, merkt man schnell, dass es  sich um eine sehr große Gruppe von EU-Mitbürgern handelt.

Den meisten Leuten ist diese prekäre und auch auswegslose Situation ihrer Mitbürger und Mitbürgerinnnen nicht bewusst.

Wir wollen uns darum bemühen, die Situation unserer Mitmenschen zu verbessern. Es ist wichtig, zu verstehen, wie diese Situation entstanden ist und welche Interessen dabei eine Rolle spielen. Die Stadt darf nicht wegschauen, sondern sollte mit den Betroffenen reden, um zu verstehen, welche Maßnahmen die Situation verbessern könnten.

Doppelte Staatsbürgerschaft ist wichtig für die Integration!

Die vor zwei Jahren eingeführte Regelung zum Doppelpass war ein Segen für die Integration. Davon können viele Mitbürger unserer Multi-kulti-Stadt Offenbach ein Lied singen! Sie fühlen sich als Offenbacher und können unsere Politik demokratisch mitgestalten, aber natürlich haben sie auch ihre Wurzeln, deren Achtung ebenfalls sehr wichtig ist.  Der Doppelpass hat die Hemmschwelle, sich einen deutschen Pass zu besorgen, sehr gesenkt, und wir wollen alle unsere Mitbürger dazu ermutigen, sich einen zu besorgen. Es ist doch egal, ob der andere Pass abgegeben oder behalten wird. Ob mit oder ohne deutschen Pass, bei den Piraten seid Ihr alle herzlich willkommen, wir sind eine bunte Multi-kulti-Gruppe und freuen uns über alle, die mitgestalten wollen. Wir haben Respekt vor kulturellen Unterschieden und finden diese interessant. Unsere Demokratie und natürlich die Gleichheit aller Menschen sind uns wichtig und nicht verhandelbar.

Es ist nicht zu fassen, wie rückständig dieser Beschluss der CDU auf ihrem Parteitag ist! Die Delegierten sollten mal nach Offenbach kommen und sich ein Bild machen, wie es in einer Stadt mit Bürgern aus fast allen Nationen der Welt zugeht! Wir können nur hoffen, dass die anderen demokratischen Parteien solche Rückschritte nicht mitmachen!

Integration ist vor allem erfolgreich, wenn die Leute nicht nur miteinander arbeiten und wohnen, sondern wenn sie auch miteinander feiern. Daher sind alle herzlich eingeladen zu unserem nächsten Stammtisch, am Freitag, den 16. Dezember, 19:00 Uhr, im „India Gate“ (Salzgässchen).

Rumänische Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet und die Rumänisch-Orthodoxe Kirchengemeinde mit dem Integrationspreis der Stadt Offenbach ausgezeichnet

Stadtrat Stephan Färber hat die Rumänische Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet und die Rumänisch Orthodoxe Kirchengemeinde mit dem Integrationspreis der Stadt Offenbach ausgezeichnet. Zu der Feierstunde kamen etwa 150 Persönlichkeiten aus der Politik und aus dem Offenbacher Vereinsleben. Anwesend waren unter anderem der rumänische Generalkonsul für Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, Mihai Botorog, sowie des rumänisch-orthodoxen Metropolits Romul Joanta Serafin.

Die beiden Preisträger seien ausgewählt worden, weil sie die Integrationsarbeit für Zuwanderer an der Schnittstelle zu Behörden und Institutionen sowie dem Bildungs- und Gesundheitssystem als aktiv zu gestaltendes Handlungsfeld erkannt haben. Diese Arbeit setzten sie vorbildlich um und hätten sich so um die Integration der rumänischen Zuwanderer unterschiedlicher sozialer Schichten in Offenbach besonders verdient gemacht. Schwenke: „Die herausragende Arbeit der Gemeinden erfüllt zudem eine Vorbildfunktion für ähnliche Vorhaben und Projekte von Vereinen in Offenbach.“

Für die Rumänisch-Orthodoxe Kirchengemeinde Offenbach (KdöR) nahmen vom Vorstand Ionut Plenz und Apostolos Koreas und für die Rumänische Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet (CROM) die Vorsitzende Dorothea Krampol den Preis entgegen. Stephan Färber betonte: Die Vereine hätten wesentlich mitgeholfen, die aktuelle Zuwanderungssituation in unserer Stadt zu bewältigen, Menschen aus Rumänien Hilfe und Orientierung gegeben sowie Krisenintervention betrieben. Alles sei ehrenamtlich mit hohem persönlichen Zeiteinsatz verbunden, wenn beispielsweise niederschwellige Deutschkurse angeboten würden, um die Eingliederung der Zugewanderten zu erleichtern und ihnen eine Teilhabe am Leben und Arbeiten in dieser Stadt zu ermöglichen.

Laut Färber erhalten die Preisträger einen Teil der Zusatzmittel, die die Bundesregierung für besonders von Zuwanderung betroffene Kommunen bereitstelle. Offenbach gehe neue Wege in der Integrationspolitik und sei Beispiel für andere Städte. Integration sei aber keine Einbahnstraße. Beide Seiten müssten sich einzubringen.

Dorothea Krampol ging auf die Arbeit Ihrer Initiative ein: Von Brauchtumspflege, über 300 Beratungsstunden und 240 Stunden Deutschkurse. Für Pfarrer Anghel ist die Bewahrung der rumänischen Kultur, Identität und Tradition. (hlwa)


Bildhinweis:
(v.l.n.r.) Stadtrat Stephan Färber, Pfarrer Stefan Anghel (Rumänisch-Orthodoxe Gemeinde Offenbach), Dorothea Krampol (Verein CROM), Luigi Masala (Stadt Offenbach), Emanoela Kern (Verein CROM). Foto: Bernd Georg/Stadt Offenbach

integrationspreis

Rumänische Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet und Rumänisch Orthodoxe Kirchengemeinde erhalten Integrationspreis der Stadt Offenbach

Für die seit vielen Jahren hervorragende und engagierte Arbeit erhalten die Rumänische Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet e.V. (CROM) und die Rumänisch Orthodoxe Kirchengemeinde den Integrationspreis der Stadt Offenbach 2015. „Das Engagement und die Arbeit der Gemeinden erfüllen in hohem Maße die Kriterien für diese Auszeichnung“, teilt Integrationsdezernent Dr. Felix Schwenke als Vorsitzender der Jury mit.

Die beiden Preisträger wurden ausgewählt, weil sie die Integrationsarbeit für Zuwanderer an der Schnittstelle zu Behörden und Institutionen sowie dem Bildungs- und Gesundheitssystem als aktiv zu gestaltendes Handlungsfeld erkannt haben. Diese Arbeit setzen sie vorbildlich um und haben sich so um die Integration der rumänischen Zuwanderer unterschiedlicher sozialer Schichten in Offenbach besonders verdient gemacht. Die herausragende Arbeit der Gemeinden erfüllt zudem eine Vorbildfunktion für ähnliche Vorhaben und Projekte von Vereinen in Offenbach.

 

.images Foto: Emanoela Kern, Dorothea Krampol vom Verein CROM Foto: vs

Der Integrationspreis wird während einer Feierstunde am Dienstag, 24. März, um 17 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal des Rathaus Offenbach verliehen. Die Zahl der frei verfügbaren Plätze ist begrenzt. Deshalb werden Interessierte gebeten, sich frühzeitig anzumelden bei Luigi Masala, Amt für Arbeitsförderung Statistik und Integration, Telefon: 069 8065-3587.  (hlwa)

Einladung zum ‚Politischen Salon‘ zum Thema: Politik und Islam in Offenbach – Roses for Peace

Der Politische Salon ist ein offener Gesprächskreis der Arbeiterwohlfahrt Offenbach und der Volkshochschule Offenbach, zu dem jeder, der sich am politischen Diskurs beteiligen möchte, herzlich eingeladen ist. In einer aktuellen Viertelstunde werden tagespolitische Ereignisse angesprochen, dann wird das zentrale Thema des Abends vorgestellt. Der nächste Politische Salon findet am Montag, den 26. Januar 2015 von 18.30 bis 20.00 Uhr im Else Herrmann Haus, Hessenring 59 statt.

Beim nächsten Treffen geht es um Politik und Islam in Offenbach. Unter dem Titel „Politik und Islam in Offenbach – Roses for Peace“ diskutieren Philipp Türmer von den Jusos und Hassan Ali von der Gruppe „Muslime für Offenbach“. Beide Gruppen haben am Jahresende mit der Aktion „Roses for Peace“ für ein friedliches Miteinander in Offenbach geworben.

Bruno Persichilli moderiert das Gespräch, bei dem es Antworten auf viele interessante Fragen geben wird:

• Warum beteiligen sich so wenige muslimische Mitbürger an der politischen Willensbildung in Deutschland und auch in Offenbach?

• Besteht die Gefahr, dass Pegida-Demonstrationen auch auf Frankfurt und Offenbach übergreifen?

• Ist die gemeinsame Aktion von Jusos und Muslimen für Offenbach ein Zeichen der Hoffnung für ein friedliches Zusammenleben?

• Wie kann die Integrationspolitik in 2015 weiter entwickelt werden?

• Was muss sich in der Flüchtlingspolitik ändern?

Darüber hinaus haben die Gäste die Möglichkeit, Philipp Türmer und Hassan Ali mit ihren Beweggründen und ihrem politischen Werdegang genauer kennen zu lernen.

Der Politische Salon und der Moderator Bruno Persichilli laden herzlich zum Diskurs ein!

Für Rückfragen bitte wenden an:

Thomas Ruff, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Offenbach-Stadt e.V. Waldstraße 351, 63071 Offenbach, Tel: 069/85002 250 t.ruff@awo-of-stadt.de

Heike Laura Wagner-Adolff     

Fröhliches und Köstliches für alle Sinne: Kulturfest der Nationen am kommenden Wochenende

Zum 27. Mal veranstaltet die Stadt Offenbach am Samstag und Sonntag, 13. und 14. September, das Kulturfest der Nationen auf dem Wilhelmsplatz. Das vom Ausländerbeirat organisierte Ereignis verspricht eine bunte Vielfalt an internationalen Speisen und ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm. 21 ausländische Kulturvereine aus Bangladesch, Bosnien, Griechenland, Italien, Kroatien, Libanon, Marokko, Portugal, Rumänien, Serbien, Mexiko, der Türkei, Afghanistan und Afrika beteiligen sich an der zweitägigen Veranstaltung und servieren dem Publikum Fröhliches und Köstliches für alle Sinne. Ob Teigtaschen, Eintöpfe, Frühlingsrollen oder gegrillte Sardinen – kaum ein kulinarischer Wunsch bleibt unerfüllt.

Zur kulturellen Fülle tragen unter vielen anderen Programmpunkten der Tanz der Derwische der Mevlana Moschee (Samstag, 19.50 Uhr) oder der Bauchtanz des Deutsch-Libanesischen Freundschaftsvereins (Sonntag, 19.30 Uhr) bei. Oberbürgermeister Horst Schneider und die Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller, der Vorsitzende des Ausländerbeirates, Abdelkader Rafoud, sowie der für den Ausländerbeirat zuständige Stadtrat Stephan Färber eröffnen das Fest am Samstag um 18 Uhr. Zu Ende geht das Fest am Sonntag gegen 20 Uhr.

Das Bühnenprogramm im Überblick: Samstag, 13. September 2014

18:00 Uhr Eröffnung und Begrüßung: Oberbürgermeister Horst Schneider Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller Stadtrat Stephan Färber Abdelkader Rafoud, Vorsitzender des ALB

18:30 Uhr Türkisch Islamischer Kulturverein, Volkstänze

18:45 Uhr Italienische Gemeinde, Kindertanzgruppe „Stelle Azzurrre“

19:00 Uhr Rumänische orth. Gemeinde, Musik und Tanz

19:30 Uhr Griechische Gemeinde /Griechischer Elternverein, Volkstänze

19:50 Uhr Mevlana Moschee, Tanz der Derwische

20:00 Uhr Serbisches Kulturzentrum, Volkstänze

20:20 Uhr Obra de Caridad e.V., Volkstänze

21:00 Uhr Griechische Gemeinde, Offener Tanz 1. FC Maroc Folkloreband

Sonntag, 14. September 2014

14:00 Uhr Bosnisches Kulturzentrum, Volktänze

14:20 Uhr Niketon Bangladeschi Verein e.V., Kindertanzduo

14:30 Uhr Obra de Caridad. e.V., Volkstänze

14:45 Uhr Bosnisches Kulturzentrum, Volkstänze

15:00 Uhr Griechische Gemeinde/Griechischer Elternverein, Volkstänze

15:15 Uhr Rumänische orth. Gemeinde, Musik und Tanz

15:30 Uhr Türkisch Islamischer Kulturverein, Volkstänze

15.50 Uhr Binedon Bangla, Bengalische Tänze

16:00 Uhr Kroatische Gemeinde, Volkstänze

16:15 Uhr Italienische Gemeinde, Kindertanzgruppe „Stelle Azzurrre“

16:30 Uhr Türkisch Islamischer Kulturverein, Volkstänze

16:50 Uhr Serbisches Kulturzentrum, Volkstänze

17:30 Uhr Griechische Gemeinde, Volkstänze

17:50 Uhr Mevlana Moschee, Tanz der Derwische

18:00 Uhr Afghanisches Kulturzentrum Offenbach, Afghanische Nationaltänze

18:30 Uhr Griechische Gemeinde, Volkstänze

19:00 Uhr Centro Operario Portugues, Volkstänze

19:30 Uhr Liban. Dtsch. Freundschaftsverein, Bauchtanz

 

(hlwa)

„CROM“ Rumänische Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet

„CROM“ Rumänische Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet

(Von: Heike Laura Wagner-Adolff)

 

Die Rumänische Gemeinde ist im Jahre 1999 im Rhein-Main-Gebiet gegründet worden. Der e.V. wurde von einigen Personen ins Leben gerufen und setzte sich als Ziel, soziale und kulturelle Veranstaltungen für die zahlreichen rumänischen Gemeinden zu organisieren. Dazu gehören auch:

– Die Pflege der rumänischen Sprache, Kultur und Tradition.

– Die Bekanntmachung der rumänischen Kultur in Zusammenarbeit mit anderen rumänischen Vereinen in Deutschland sowie den deutschen Behörden, die für die Bereiche Kultur und Integration verantwortlich sind.

– Die Erziehung der Kinder im Sinne der rumänischen Kultur sowie die Förderung der Integrationsbestrebungen und das Erlernen von sozialer Verantwortung.

– Die Vergangenheitsbewältigung mit Hilfe historischer und politischer Beiträge und Analysen.

– Karitative Initiativen zugunsten wirtschaftlich benachteiligter Personenkreise aus Rumänien.

Diese und weitere Ziele werden in monatlichen themenorientierten Veranstaltungen, mit Hilfe von rumänischen und deutschen Dozenten realisiert.

 

Wer in Deutschland arbeiten will aber die Sprache nicht beherrscht, hat ein Problem. Er ist auf die Mithilfe seiner Landsleute angewiesen, die jedoch nicht selten mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Hinzu kommt der oftmals undurchschaubare „Bürokratiedschungel“ seitens der Behörden; u. a. gehören dazu, die polizeiliche Anmeldung, Formulare fürs Finanzamt, die Handelskammer, für Gewerbetreibende der Gewerbeschein usw.

„Ohne Sprache bist du manipulierbar“, weiß Pfarrer Stefan Anghel von der rumänischen Gemeinde. Er erinnert sich an einen Landsmann, der mit einem 20 Zentimeter hohen Stapel ungeöffneter Post zu ihm kam. Darunter befand sich bereits eine Ordnungsstrafe von 1000€, weil der Rumäne die Post nicht öffnete und auf kein Anschreiben reagierte.

CROM hat gemeinsam mit dem Integrationsbüro von Ana-Violetta Sacaliu die Mitglieder geschult, um auf die Probleme der Neuzuwanderer aufmerksam zu machen. Die Vereinsmitglieder sind längst in Deutschland integriert und haben sich etabliert. Viele von ihnen haben Rumänien schon vor Jahrzehnten verlassen. Sie sind zum Beispiel Ärzte, Lehrer oder Rechtsanwälte mit eigenen Kanzleien.

 

Als die rumänische Gemeinde in 2001 ihr Domizil an der Backstrasse erwarb, war der Kirchenraum bei Gottesdiensten halb gefüllt, erinnert sich Pfarrer Anghel. Heute stünden die Leute bis weit in den Hof hinein. Er krempelt selbst die Ärmel hoch und wird aktiv. Die Situation im Vergleich zu früher hat sich geändert. Vor einigen Jahren kamen vor allem Hochqualifizierte, die mit einer „Greencard“ angeworben wurden nach Deutschland. Heute sind es oftmals Ungelernte oder Bauhelfer. Die Menschen, die keine Zukunftsperspektive in ihrer Heimat sehen und einfach nur weg wollen.

Oftmals werden die Menschen mit falschen Versprechungen geworben , viele Rumänen geraten in Abhängigkeit von Mittelsmännern. Sie müssen Verträge oder Rechnungen ausfüllen, die sie nicht verstehen, manche werden in Privatkrankenkassen gelockt. Viele werden bei Gehalt und Miete ausgebeutet. „Manche haben in Rumänien ihren ganzen Besitz verkauft, um hier die ersten Monate über die Runden zu kommen“, sagt Dorothes Krampol, Vorstandsvorsitzende von CROM. „Sie hoffen, dann eine bessere Arbeit zu finden. Es tut weh, wenn man sieht wie die Leute behandelt werden“. Die Schicksale verfolgen sie und ihre Kollegen vom Verein, der sich ursprünglich der rumänischen Kulturvermittlung verschrieben hat, weit über die Beratungszeit hinaus. Frau Krampol und weitere ehrenamtliche Mitarbeiter bieten einmal wöchentlich kostenlos eine Beratung für rumänische Zuwanderer an, sie helfen bei den ersten Schritten zur Integration, bei Formularen und Anträgen. Die „Orientierungshilfe in rumänischer Sprache“ ist ein Kooperationsprojekt mit der Stadt Offenbach innerhalb des Projektes: „Modellregion Integration“. Deutschkurse werden angeboten, um möglichst schnell die Sprachbarriere überwinden zu können.

 

Die Stadt Offenbach ist das Ziel vieler Rumänen. Das erklärt sich damit, dass dort schon immer Rumänen waren. Man kennt sich. Im Gegensatz zu Frankfurt gibt es eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde und einen so engagierten Verein wie CROM.

 

Für weiterführende Informationen steht der Verein zur Verfügung unter:

 

CROM Comunitatea Romanilor Din Rhin-Main

Rumänische Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet e. V.

Arthur-Zitscher-Str. 11 – 13

63065 Offenbach

 

Kontakt:

Dorothea Krampol- Vorstandsvorsitzende

Tel.: 0170-6032283

E-Mail: cromtheinmain1@aol.com

URL: www.crom-de