Kapitulation vor dem Siedlungsdruck?

Helge Herget ist seit Jahren aktives Mitglied der Piraten Offenbach. In diesem Artikel präsentiert er seine persönliche Meinung zum Thema Bebauung in Bieber-Waldhof.

Im Jahr 2016 haben wir ja zugestimmt, dass unser Stadtverordneter in der CDU hospitiert und damit den Koalitionsvertrag akzeptiert. Dort steht auch, dass der Masterplan umgesetzt werden soll. In dem wird auch das potentielle Baugebiet Bieber/Waldhof benannt. 

Nach fast fünf Jahren weiß ich jetzt mehr darüber, und ich wäre nicht Pirat, wenn ich nicht meine Meinung überdenken und neu bilden würde: Ich bin gegen die Bebauung von Bieber-Waldhof.

Wir Piraten haben einen Erkundungsrundgang in dem potenziellen Baugebiet Bieber/Waldhof unternommen, zusammen mit der Bürgerinitiative „Bieber natürlich“

Die Bürgerinitiative hat sich sehr viel Mühe gegeben und uns viel Hintergrundwissen vorgetragen. So erfuhren wir viel über Mikroklima, Ökotope, Symbiosen, Wechselwirkungen zwischen benachbarten, aber unterschiedlichen Gebieten. Auch zu weiteren Themen haben wir Hintergründe und Zusammenhänge erfahren: Grundwasser und Feuchtgebiete, seltene Pflanzen, Vögel und Insekten und die Bedingungen für ihre Existenz in dem Gebiet, alte Eichen und andere Bäume, die Insektenvielfalt, die ein solcher Baum ermöglicht und die interessanten Symbiosen in ihrem Wurzelwerk. Wir waren positiv überrascht von ihrem umfänglichen und kenntnisreichen Wissen und von der tiefen emotionalen Verbundenheit mit dem naturbelassenen Gebiet.

Ich bin ja ein ewiger Offenbacher und glaube, mein Heimatumfeld gut zu kennen, aber auch mir haben sich viele neue Eindrücke und Erkenntnisse erschlossen. 

Der Klimawandel ist eins der drängendsten Probleme unserer Zeit. Inzwischen bewegt das viele Leute, und es finden auch wieder die Fridays-for-Future-Demos statt.

Die Umweltprobleme wie Erhitzung der Atmosphäre, das immer schnellere Artensterben, die Zerstörung der Biodiversität und viele mehr sind die Probleme der Zukunft, die wir unseren Kindern hinterlassen. Zwar kann sie letztlich nur die Weltgemeinschaft gemeinsam lösen. Aber das ist kein Grund, sie auf kommunaler Ebene zu ignorieren, denn auch kommunal können wir die Situation verschlimmern oder aufhalten.Die naturbelassenen Teile unseres Stadtgebietes sind kostbar: nicht nur als Naherholung für alle Bürger, sondern auch als Kaltluftschneisen und zur Pflege der Artenvielfalt. Auch wenn man nur einen Teil bebaut, wirkt das auf den Rest dieser Landschaft: Der Grünspecht verschwindet, wenn er keine Ameisen mehr findet, weil die Ameisennester mit einer Straße zubetoniert worden sind.

Das symbiotische Biotop um das Wurzelwerk einer Eiche wird nicht mehr funktionieren, wenn sich direkt daneben Häuser und Straßen befinden. Dann nützt es auch nicht mehr, die Eiche stehen zu lassen, sie wird in einigen Jahren verkümmern. Nicht ohne Grund gibt es eine Vorschrift, die das Mähen von Wiesen u.a. in Bieber-Waldhof betrifft, die dafür sorgen soll, Bestände von Tieren und Pflanzen zu erhalten (Broschüre des Amts für Umwelt, Energie und Klimaschutz: S. 16).

Im Vorwort dieser Broschüre schreibt der Bürgermeister a. D. Peter Schneider (Grüne): Die ‚Natur vor der Haustür‘ … zu bewahren und zu schützen, für uns und künftige Generationen, sollte uns darum stete Verpflichtung sein.“ Und in diesem Video verspricht er im Kommunalwahlkampf 2016, dass die Grünen auf keinen Fall einer Bebauung zustimmen würden: Leider haben aber auch die Grünen für die Bebauung gestimmt. Und ich habe mir jetzt auch meine Meinung gebildet.

Wärmebild der Stadt Offenbach von 2011
https://www.offenbach.de/medien/bindata/of/dir-11/Klimafunktionskarte_Offenbach_am_Main.pdf

Wenn man sich frühere Wärmebilder unserer Stadt anschaut, sieht man, dass es in Bieber vergleichsweise kühl ist. Das liegt an der Frischluftschneise, die durch die Natur im geplanten Baugebiet in Bieber-Waldhof erzeugt wird und die für ein günstiges Mikroklima in Bieber sorgt, siehe Bild: (Die Karte ist veraltet, denn inzwischen ist schon mehr gebaut worden, und einige Stadtteile sind jetzt wärmer.) Das Mikroklima ist wichtig für unser Wohlbefinden. Wir müssen Überwärmungsgebiete vermeiden. Auf dieser Seite der Stadt Offenbach findet man dazu interessante Erläuterungen. Es ist dringend notwendig, Kalt- und Frischluftentstehungsgebiete in Offenbach zu erhalten, dazu gehört auch das Gebiet in Bieber-Waldhof. Als Handlungsoptionen in dem Papier wird empfohlen, weitere bauliche Verdichtung möglichst zu vermeiden. 

Im Baugebiet Waldhof-West prallen zwei Interessenslagen frontal aufeinander: Einerseits ist das Gebiet eines der letzten intakten Ökosysteme in Offenbach. Man macht sich was vor, wenn man meint, dass man Restteile erhalten kann, denn auch wenn man kleine Reste stehen lässt, ändert sich ein Ökotop, wenn daneben gebaut und Fläche versiegelt wird. 

Andererseits will die Stadt weiter wachsen. 2015 wurde der Masterplan vorgestellt, in dem von einem weiteren Bevölkerungswachstum ausgegangen wird. Daraus kann man weiteren Wohnraumbedarf ableiten. Anfang 2014 betrug die Einwohnerzahl in unserer Stadt etwa 120.00 (Masterplan, S. 29). Er sieht vor, dass diese Zahl bis 2030 auf 130.000 steigen soll. Jetzt, 2020, haben wir aber schon eine Einwohnerzahl von rund 140.000. Auch bei der Wohnbebauung hat die Stadt ihre Planungen schon übererfüllt. Jeder sieht es ja überall: Überall sind neue Wohnungen entstanden und überall wird noch mehr gebaut und nachverdichtet, Baulücken werden geschlossen, Gebäude aufgestockt, Grünflächen zwischen Häusern bebaut und neue Baugebiete erschlossen. Mit der Schaffung von Wohnraum ist die Stadt also schon weit über ihr Soll hinausgeschossen. Der Masterplan zeigt, dass sich die Realität nicht an Pläne hält. 

Die Infrastruktur war schon die letzten Jahre überfordert. Die Nachverdichtung produziert neue Problemfelder, wenn wir uns das Senefelder Quartier anschauen und die permanente weitere Verdichtung in diesem Gebiet. Langt es da, Innenhöfe zu begrünen? Es fehlt noch an der adäquaten Menge von Schulen, Kindergärten, Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche und Seniorenheimen. 

Ich frage mich: Wie hoch sollen die Einwohnerzahlen noch steigen? Ist ein solches Wachstum, das ja alle Erwartungen sprengt, gut für unsere Stadt, die andererseits starken Restriktionen wegen der Siedlungsbeschränkung unterliegt? Bleibt unsere Stadt noch lebenswert, wenn die Hitze zwischen den Gebäuden steigt, Grün zwischen Häusern verschwindet, Naherholungsgebiete und naturbelassene Ökotope weiter reduziert werden? Welche Vorteile bringt in solches forciertes Wachstum? Überfordert es uns nicht? Wollen wir Bürger das? Woher kommt ein „Siedlungsdruck“, der die Lebensqualität weiter reduziert? Wo liegt die Grenze des Wachstums? Bei 180.000 oder gar 200.000 Einwohnern?

Eine beliebte Rechtfertigung heißt, wenn es um nachhaltige ökologische Projekte geht: „Das kostet Arbeitsplätze“. Und „Wir können dem Siedlungsdruck nicht widerstehen“. Aber warum? Ist ein Wachstum ohne Grenzen wirklich nötig, wenn es auf Kosten einer lebenswerten Stadt und der Zukunft der Natur und des Klimas geht?

Die Stadt und somit die Stadtverordneten müssen festlegen, wohin es noch gehen soll und wie viel die Stadt will und verträgt. Ansonsten wird sie ewig die Getriebene sein. Und ökonomische Interessen werden weiterhin die Ökologie plattmachen. Was für eine Welt wollen wir unseren Kindern vererben?

Ich habe mir meine Meinung gebildet und werde mich für eine lebenswerte Stadt einsetzen. Forderungen nach Bewahrung der Natur und der Eindämmung des Klimawandels sollte man nicht nur auf Demonstrationen vertreten. Ich bin gegen die Bebauung von Bieber-Waldhof und werde mich da engagieren. Ebenso an anderen wichtigen Orten wie z. B. in der Nähe der Obermühle, wo die Bieber schon längst renaturiert gehört hätte.

Piraten in Offenbach bleiben dran und wirken: Gewerbliche Leerständen für Kreative, Initiativen und Vereine sollen genutzt werden

Im Juni hatten wir auf unserem regelmäßig in Offenbach stattfindenden Stammtisch das Thema der gewerblichen Leerstände in Offenbach diskutiert. [1]

Nun haben wir in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss zur Nutzung von gewerblichen Leerständen für Kreative, Initiativen und Vereine in Offenbach gefasst, in dem der Magistrat beauftragt wird, Zwischennutzungen von Leerständen zu ermöglichen. [2]

Schon im April 2015, also in der letzten Wahlperiode, hatten die PIRATEN einen entsprechenden Antrag gestellt, um durch eine Zwischennutzung die kulturelle Aktivität in der Stadt zu fördern und Offenbach so zu einem Raum für künstlerisch-kulturelle Projekte zu machen. Der Antrag wurde damals mit Stimmenmehrheit abgelehnt. [3]

Wir begrüßen den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, unsere Ideen aufzunehmen und konkrete Maßnahmen einzuleiten. „In der momentanen Situation der durch Corona bedingten Einschränkungen für Veranstaltungen und viele Künstler, kommt diesem Antrag eine besondere Bedeutung zu“, sagt Gregory Engels, Vertreter der Piratenpartei in der Koalition.

Einen ähnlichen Antrag von uns gab es schon im März 2020, um durch die Nutzung von Leerständen die Artothek des Kunstvereins Offenbach sichtbarer zu machen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. [4] [5]

Der aktuelle Beschluss geht auf die Koalitionsvereinbarung 2016-2021 zurückgeht. An der Erarbeitung dieser Vereinbarung hat unser Abgeordneter im Stadtparlament mitgearbeitet. Gregory Engels ist derzeit als Stadtverordneter der Piratenpartei vertreten.“

Leerstehende Supermärkte für Offenbacher Kreative?

In Offenbach stehen immer mehr Ladenlokale und ehemalige Supermärkte leer. Gleichzeitig gibt es viele Kreative mit vielen Ideen und wenig Geld: Künstler, Musikerinnen, Bierbrauer, Designer, Fotografinnen, Aktivisten, Schneiderinnen, Tänzer, Initiativen und viele mehr.

Die sollten zusammenkommen. Es wäre gut für das Stadbild, und es wäre gut, um die kreative Aufbruchstimmung in Offenbach auch während und nach der Corona-Krise weiterzupflegen.

Wir wollen überlegen, ob sich hier nicht mehrere Gruppierungen zusammenschließen können, um gemeinsam Fördergelder zu beantragen und einen solchen Ort gemeinsam zu mieten und zu pflegen.

Das wollen wir bei unserem nächsten Stammtisch besprechen. Wie kann das finanziert werden? Wie könnte man so etwas kooperativ organisieren? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen muss man beachten?

Holt Euch am Freiag, den 12. Juni 2020, 19:00, ein Getränk und klickt auf unseren Stammtischlink: https://meet.piratenpartei-hessen.de/StammtischOffenbach (Jitsi-Server, gehostet von den Hessenpiraten)

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Ein Badeschiff – – – Berlin, Wien, Antwerpen, Offenbach!

Wir Offenbacher sind schon immer gern ins Schwimmbad gegangen, und wir haben eine bewegte Schwimmbadgeschichte: Zwar war die Stadtregierung oft nicht in der Lage zu helfen, aber den Bürgern fiel immer etwas ein. Ein Beispiel für den Offenbacher Bürgersinn ist das 1887 von einem privaten Verein gebaute Badehaus in der Herrnstraße.

In der Vergangenheit hatte Offenbach mehrere Hallenbäder, aber die Zeiten sind vorbei! Ein Oberbürgermeister hatte drei Schwimmbäder abgerissen und dafür ein neues versprochen, aber wir warten immer noch. Inzwischen gibt es immer mehr Schulkinder, die gar nicht schwimmen können. Es ist auch nicht so einfach, ein Hallenbad zu bauen, denn man braucht dafür ein Grundstück, Geld und verschiedenste Genehmigungen. Von allen kreisfreien Städten oder Oberzentren in Hessen ist Offenbach die einzige, das kein Hallenbad hat.

Es gibt eine alte Idee, wie man an ein Schwimmbad kommen kann, nämlich ein Badeschiff. Diese wollen wir wieder aufgreifen.

Badeschiff Kohl (1800) auf dem Main

Badeschiffe gab es schon vor langer Zeit, auch auf dem Main. Ein erstes eröffnete ein Privatunternehmer schon im Jahr 1799, es lag in Frankfurt in der Höhe der heutigen Untermainbrücke und der Friedensbrücke und war ein Wellnessort für Betuchtere. Auch in anderen Städten gibt es Badeschiffe. Diese Bilder hier zeigen die Badeschiffe in Berlin, Antwerpen und Wien. Auch in Frankfurt wird seit Jahren über ein Badeschiff diskutiert, aber der Plan ist gescheitert.

Badeschiff Berlin (Spree)
Berliner Badeschiff winterfest
Badeschiff Wien
Badeschiff Antwerpen

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Das wollen wir in Offenbach besser machen. Bei uns gibt es schon ein Restaurantschiff, das Bembelboot und viele Anlegeplätze. Es hat auch schon mal ein Discoschiff gegeben. Ein überdachtes Badeschiff könnte einen Ersatz für das fehlende Hallenbad liefern. Wir wollen einen lustigen Ort für Jedermann, nicht teure Wellness mit Whirlpool, Bar und Schickimicki.
Wir sind sicher, dass die Offenbacher sich über ein solches Badeschiff freuen würden.

Man könnte dies als gemeinnützige GmbH, als Genossenschaft oder als Kooperative organisieren.

Arbeiten wir daran, Politik, Bürgerschaft und Vereine! Gemeinsam schaffen wir das. 

Ein Badeschiff am Main soll auch unser nächstes Thema bei unserem virtuellen Stammtisch sein, am 15. Mai um 19:00 Uhr.

Bilder Badeschiff Offenbach: Annette Schaper-Herget (CC BY 4.0), „Badeschiff Kohl (1800)“: gemeinfrei, Badeschiff Berlin: Sansculotte (CC BY-SA 2.0), Badeschiff Berlin für den Winter: Georg Slickers (CC BY-SA 3.0), Badeschiff Wien: My friend (CC BY-SA 2.0), Badeschiff Antwerpen: Stefn (CC BY-SA 3.0)

STARTSCHUSS FÜR MASTERPLAN OFFENBACH

in der Alten Schlosserei (EVO-Halle)

Der Masterplan Offenbach startet am Freitag,

den 6. März (17:30 Uhr-20:00 Uhr) mit einer öffentlichen Auftaktveranstaltung,

zu der alle Bürger, Unternehmer und hier Arbeitenden eingeladen sind. Die

Veranstaltung findet in der Alten Schlosserei, Andréstraße 71, 63067 Offenbach

statt. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, sich über den Masterplanprozess zu informieren und sich aktiv einzubringen. So kann man sich auf dieser Veranstaltung auch näher über

die Aufgaben und Funktionen der Gruppe „Masterplan Offenbach: Detail“

informieren und sich dort für einen Platz bewerben. Eine Bewerbung ist vor dem

6. März auf der Website www.masterplan-offenbach.de möglich. Die Teilnehmer

werden am Ende der Auftaktveranstaltung ausgelost.

Programm Masterplan Offenbach.

 

Öffentlicher Auftakt:

17:30 Uhr Einlass

18:00 Uhr Begrüßung und Einordnung des Masterplanprozesses –

Gesprächsrunde mit Horst Schneider und Alfred Clouth

18:10 Uhr Impulsvortrag Prof. Albert Speer

18:25 Uhr Der Masterplanprozess: Ein Blick nach vorn – Gespräch mit

Frank Achenbach (Geschäftsführer Offenbach offensiv e.V.) und

Markus Eichberger (Leiter des Amtes für Stadtplanung,

Verkehrs- und Baumanagement der Stadt Offenbach)

18.35 Uhr Vorstellung des Beteiligungsprozesses

19:00 Uhr Offener Austausch im Plenum

19:45 Uhr Ausblick auf Verfahren und Prozess

19:50 Uhr Auslosung Bürgervertreter

20:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Weitere Informationen zum Masterplan: www.masterplan-offenbach.de

(hlwa)

Umfrageergebnisse der Lokalen Agenda 21: Offenbacher wünschen sich Versorgungssicherheit und nachhaltige Entwicklung

Wie bereits im Vorjahr evaluierte die Lokale Agenda 21 (LA21) anlässlich des Mainuferfestes 2014 wieder die Stimmungslage in der Bevölkerung: Welche Themen der Stadtentwicklung sind den Einwohnerinnen und Einwohnern besonders wichtig? Das Ergebnis: Die Offenbacher wünschen sich in erster Linie Versorgungssicherheit, eine nachhaltige Stadtentwicklung und ein Gesamtkonzept für die Stadt von morgen.

Stadtentwicklung ist seit Jahren Schwerpunktthema der LA21. Ein Ziel der Agenda ist es, mehr Verständnis und Gesprächsbereitschaft der lokalen Politiker für Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Damit die Meinung der Offenbacherinnen und Offenbachern zu wichtigen Themen der Stadtentwicklung gehört und bei Entscheidungen mit berücksichtigt werden kann, hat die LA21 in den vergangenen Jahren mehrere Umfragen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden den politischen Entscheidungsträgern übermittelt und der Öffentlichkeit auf diversen Veranstaltungen präsentiert. Neun Aussagen standen im Themenkatalog der LA21, der an beiden Mainuferfesten 2013 und 2014 den Besuchern zur Abstimmung vorgelegt wurde. Durch den direkten Vergleich der Umfrageergebnisse wollte die Agenda herausfinden, ob sich die Interessen der Menschen innerhalb der Jahresfrist verändert haben. Die Befragten erhielten für die Beantwortung zwei unterschiedliche Farbpunkte, die sie entsprechend ihrer Meinung auf einem Röhrenmodell (siehe Fotos) platzieren mussten. Es galt, sich zwischen „wichtig“ oder „weniger wichtig“ zu entscheiden. Etliche Beteiligte weigerten sich, ein Votum für „weniger wichtig“ abzugeben und klebten nur einen Punkt für die „wichtig“-Aussage.

Frage: Was muss Ihres Erachtens in Offenbach unbedingt unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger angepackt werden?

1. Wasserversorgung in kommunaler Hand belassen

2. Offenbach fahrradgerechter machen, zum Beispiel durch Fahrradstraßen

3. Leer stehende Gewerbeimmobilien in Wohnraum umwandeln

4. Brachflächen in der Stadt nicht vollständig zu bebauen; Grünflächen nutzbar machen

5. Ein Gesamtkonzept für das Offenbach von Morgen

6. Dass das Mainufer noch mehr Erholungsraum bietet und dafür der Parkplatz aufgegeben wird

7. Ausreichend öffentliche Toiletten

8. Wassertaxis auf dem Main als Verkehrsmittel im Öffentlichen Personennahverkehr

9. Eine gute Einbindung des Hafens an das Nordend und die Innenstadt

Insgesamt beteiligten sich 1042 Menschen aus allen Altersgruppen und Stadtteilen an beiden Umfragen – in diesem Jahr 118 mehr als im Vorjahr, obwohl die Besucher- und Veranstalterzahl auf dem Mainuferfest 2014 insgesamt geringer ausfiel. „Personen mit Migrationshintergrund waren erneut deutlich unterrepräsentiert“, bedauert Barbara Levi-Wach vom Agenda-Büro. „Dennoch konnten wir feststellen, dass sie sich über die vergangenen Jahre hinweg kontinuierlich stärker beteiligten.“ Unter den Befragten waren auswärtige Besucher und Zugezogene, die aus Frankfurt und anderen Orten stammen.

Im Ergebnis brachten die Befragten zum Ausdruck, dass ihnen die Sicherheit der Wasserversorgung (Punkt 1) am meisten am Herzen lag. 144 Personen hielten es für „wichtig“, dass die Versorgung in kommunaler Hand verbleibt – eine deutliche Steigerung zum Vorjahr (81). „In Gesprächen mit den Beteiligten haben wir festgestellt, dass ungeachtet eines Stadtverordnetenbeschlusses von 2013, der eine Privatisierung untersagt, die Befürchtungen groß sind, dass sich die Politik doch noch anders entscheidet und dann die Kosten ungebremst steigen.“ Darüber hinaus sei eine „Renaissance“ der Stadtwerke gefordert worden – auch die Energieversorgung gehört nach Ansicht der Mehrheit in kommunale Hände.

Zweites großes Thema für die Menschen dieser Stadt ist die Fahrradfreundlichkeit (Punkt 2) der Kommune. 97 Personen sagen: „Das ist mir wichtig!“ Dies belegt der deutliche Anstieg um etwa ein Drittel der Entscheidung für diesen Punkt. Das Verlangen nach sicheren Verkehrswegen stand dabei im Vordergrund.

Ein weiteres zentrales Thema ist den Offenbachern (Punkt 5) ein Gesamtkonzept für die Stadt. Dies bejahten 77 Personen (Vorjahr: 70). „Das Ergebnis zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger mit angehört werden wollen. Sie erwarten von der Politik, dass die unterschiedlichsten Institutionen und deren Vertreter die artikulierten Bedürfnisse der Bevölkerung mit einbeziehen und einen nachhaltigen Masterplan entwickeln“, erläutert Levi-Wach. „Nur dann kann nach Ansicht der Befragten ein Gesamtkonzept anerkannt und umgesetzt werden.“ Vor diesem Hintergrund spielt der Bauboom ebenfalls eine Rolle.

Viele betonen, dass leer stehende Gewerbeimmobilien (Punkt 3) in Wohnraum umgewandelt werden sollten (82; Vorjahr: 85). „Leerstände wie am Kaiserlei, im Citytower oder dem Allessa-Areal sind ein echtes Ärgernis!“

Umgekehrt sollten Brachflächen (Punkt 4) nicht vollständig bebaut werden – eine Forderung, die im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen hat (87; Vorjahr: 61). „Der Wunsch der Teilnehmenden nach Grün in der Stadt ist groß. Sie sind überzeugt, dass die starke Verdichtung zu schlechterem Klima beiträgt, dass Parks und Grünflächen für das Image der Stadt wichtig sind und eine Kompensation darstellen für Wohnraum ohne Außenflächen wie Balkonen oder Terrassen.“

Dass das Mainufer (Punkt 6) noch mehr Erholungsraum bieten müsse und dafür der Mainparkplatz aufgegeben wird, hält die Mehrheit der Befragten dagegen für ein nicht so drängendes Problem (25; 28),

ebenso wenig die Bereitstellung (Punkt 7) öffentlicher Toiletten (20; 29).

„Bei diesen beiden Themen konnten wir einen Rückgang der Bedeutung feststellen“, so Levi-Wach. Wassertaxis auf dem Main (Punkt 8): Obwohl diese Idee bei der Wichtig-Nennung die doppelte Punktzahl (29; 15) erhalten hat, haben die Befragten dieses Projekt ebenso wie die Einbindung des Hafens (Punkt 9) an das Nordend und die Innenstadt von nachrangiger Priorität gesehen. „Generell lässt sich sagen, dass auch die als weniger wichtig markierten Themen wünschenswert sind aus Sicht der Bevölkerung, aber aufgrund der hohen Kosten, zunächst als weniger wichtig eingestuft wurden.“ Die hier genannten Daten sind in der angehängten Grafik anschaulich dargestellt. Für die Lokale Agenda 21 steht nach einer Auswertung der Ergebnisse fest: „Die Bürgerinnen und Bürger wollen sehr wohl mitdenken, von den Verantwortlichen gefragt und informiert werden – und sich engagieren.“ Zwei Kriterien seien besonders deutlich geworden: „Die Stadt sollte sich nicht so massiv in Abhängigkeit von Investoren begeben, da diese verständlicher Weise zuerst die Gewinnmaximierung im Fokus haben. Zweitens muss die Lebensqualität wachsen in Offenbach, auch in Bezug auf die Umwelt und eine günstige Mobilität.“ Über allem stehe der Wunsch, dass ein nachhaltiger, schlüssiger, transparenter und umsetzbarer Masterplan (Gesamtkonzept) gelingen möge.

Hintergrund Lokale Agenda 21: Seit der ersten Befragung im Jahr 2008 fordert die Lokale Agenda ein Leitbild oder Gesamtkonzept für die Stadt. Die Akteure haben sich der Forderungen der Bürgerinnen und Bürger angenommen und werben für mehr Beteiligung. Aktiv beteiligt war die LA21 unter anderem an der „Aktiven Innenstadt“, am Marktplatzforum, dem Maindeich und dem Stadthof. Die neun Fragen, die auf dem Mainuferfesten 2013 und 2014 gestellt wurden, ergaben sich aus dieser kontinuierlichen Arbeit.

Bildinformationen: Die Fotos (Copyright: Stadt Offenbach) zeigen das Röhren-Modell, das bei den Abstimmungen auf dem Mainuferfest zum Einsatz kam, sowie Barbara Levi-Wach vom Agenda-Büro. / (hlwa)

Einladung zum ‚Politischen Salon‘ zum Thema: Hafen Offenbach – ein neues Stadtviertel entsteht

Der Politische Salon ist ein offener Gesprächskreis der Arbeiterwohlfahrt Offenbach und der Volkshochschule Offenbach, zu dem jeder, der sich am politischen Diskurs beteiligen möchte, herzlich eingeladen ist. In einer aktuellen Viertelstunde werden tagespolitische Ereignisse angesprochen, dann wird das zentrale Thema des Abends vorgestellt.

Der nächste Politische Salon findet am Montag, den 29. September 2014 von 18.30 bis 20.00 Uhr im Else Herrmann Haus, Hessenring 59 statt.

Das Thema an diesem Abend ist: „Hafen Offenbach – ein neues Stadtviertel entsteht“. Daniela Matha, Geschäftsführerin der OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH, wird über den Projektstand berichten: über die Objekte, die fertiggestellt sind, und die, die sich derzeit im Bau befinden, über den Stand der Vermarktung und der Verkehrsanbindung, z. B. der Brückenbauwerke.

Folgende Fragen werden diskutiert:

• Welche Lebensqualität werden die Bewohner der Hafeninsel haben?

• Wie sieht es mit Einkaufsmöglichkeiten aus?

• Welche Auswirkungen wird die Hafenbebauung auf das Nordend haben?

• Kommt die HfG?

• Wann kommen Kita und Schule?

Der Politische Salon und der Moderator Bruno Persichilli laden herzlich zum Diskurs ein!

 

Für Rückfragen der Medien: Thomas Ruff, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Offenbach-Stadt e.V.

Waldstraße 351, 63071 Offenbach, Tel: 069/85002 250

t.ruff@awo-of-stadt.de

Mirella Avantaggiato, Fachbereichsleiterin vhs Offenbach

Berliner Str. 77, 63065 Offenbach, Tel: 069/8065-3146 mirella.avantaggiato@offenbach.de

(hlwa)

Ausstellung ASRM Lab 2014 Architektursommer im OG-Foyer Rathaus Offenbach bis 14.08.2014

Acht international renommierte Planer- und Architektenteams zeigen an den exemplarisch ausgewählten Orten Frankfurt-Offenbach und Mainz-Wiesbaden und Darmstadt, wie die Region zusammenwachsen und als Ganzes gestärkt werden kann. Die teilnehmenden Büros entwickelten in einem gemeinsamen Workshop, dem ASRM LAB, ein regionales Konzept, das übergreifende Themen wie Klimawandel, Wachstum, Mobilität und Erlebnisregion in lokalen Interventionen miteinander verzahnt. Diese sollen im September 2015 umgesetzt und zusammen mit Begleitveranstaltungen den Anstoß für eine neue Wahrnehmung der Region und ihrer Städte geben. Ideen und Konzepte, die die Potentiale der Region aufspüren, aufnehmen und daraus übergeordnete Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten für die Metropolregion aufzeigen.

Acht völlig verschiedene Visionen sind entstanden und werden ausgestellt. Unter dem Titel »Region im Fluss« werden neue Impulse für das Zusammenwachsen der Region gesetzt. 2015 sollen im Architektursommer Rhein-Main die Ideen Gestalt annehmen. Punktuelle Installationen und Interventionen, Brückenschläge von Wiesbaden bis Offenbach sind als Impulsgeber für bislang als Brachland oder Bruchstelle wahrgenommene Randgebiete konzipiert worden. Damit werden im ASRM 2015 Ideen aus den entwickelten Konzepten realisiert und zukünftige Entwicklungen zur Diskussion gestellt.

Die Arbeiten sind noch bis zum 14.08.2014 im OG-Foyer des Rathauses Offenbach, Berliner Straße 100, ausgestellt.

Architektursommer Rhein-Main in Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden 2015 Visionen für die Metropolregion Rhein-Main sind entstanden durch:

Architektursommer Frankfurt / Offenbach e.V. Wiesbadener Architektursommer e.V.

 

Gefördert und unterstützt durch:

Kulturfonds Frankfurt RheinMain

Deutsches Architekturmuseum DAM, Frankfurt

 

Acht internationale Archtikekturbüros:

AWP, Paris

feld72, Wien

KCAP, Rotterdam & Zürich

Lola Landscape Architects, Rotterdam

Magma Architecture, Berlin

Superpool, Istanbul

Urbed, Manchester & London

Tom Sieverts & S.K.A.T., Bonn

Stadtentwicklung Offenbach

20130601-Offenbach-Modell-DSC_0854.jpgWer sich morgen auf dem Weg zum Sommerfest noch über die verschiedenen baulichen Stadtentwicklungsprojekte informieren will, kann dies im Rahmen der Offenbacher Woche auf dem Hugenottenplatz in der Innenstadt tun. Heute, am Samstag war das Zelt überraschend gut besucht. Die städtebauliche Überraschung für mich war ein neues geplantes Hochhaus neben dem Rathaus und dem C&A.  Dieses Hochhaus ist auf dem Modell leider nicht zu sehen.  Überhaupt sind in der Ausstellung viele Dinge zu sehen, die auf der Webseite der Stadt nicht zu finden sind.  Anschauen lohnt sich!